Vortragsveranstaltung “Terrorism: A Continuing Threat – Recent Developments and Trends” mit Bruce Hoffman

Bruce Hoffman, Shelby Cullom and Kathryn W. Davis Senior Fellow for Counterterrorism and Homeland Security, Council on Foreign Relations; Professor in Georgetown University’s Edmund A. Walsh School of Foreign Service, hielt einen Gastvortrag zum Thema “Terrorism: A Continuing Threat – Recent Developments and Trends” am 25. September 2019 an der Landesverteidigungsakademie Wien. Stellvertretend für den Kommandanten der Landesverteidigungsakademie Herrn Generalleutnant Erich Csitkovits begrüßte Brigadier Reinhard Schöberl über 160 interessierte Gäste.

In seiner Begrüßung wies Markus Tschank, Präsident des Institutes für Sicherheitspolitik (ISP), darauf, dass trotz gegenwärtiger Bedrohung durch transnationalen islamistischen Terror, der Terrorismus keinesfalls als Phänomen des 21. Jahrhunderts zu werten sei. Vielmehr sei Terror seit Jahrhunderten eine Methode des gewalttätigen Handelns von Organisationen und Einzelpersonen zur Erreichung politischer Zielsetzungen. Somit müsse Terrorismus als ein politisches Phänomen betrachtet werden. Welches zweifelsohne starke kriminelle Elemente enthalte, jedoch als politisches Phänomen keinesfalls als ein rein krimineller Akt zu bewerten sei. Heute bilde der Terrorismus, unter Verweis auf renommierten israelischen Terrorforscher Boaz Ganor, vielmehr eine Sonderform asymmetrischer Kriegsführung durch einen nicht-staatlichen Akteur und stelle somit einen Angriff auf die Grundfesten staatlicher Ordnung dar. Aus diesem Grund könne Terrorismus nicht durch polizeiliche Maßnahmen allein bekämpft werden. Terrorismus als einem politischen Phänomen könne nachhaltig und wirksam nur auf politischer Ebene begegnet werden. Dies einerseits durch entschiedene gesamtstaatliche Maßnahmen gegen politischen sowie politisch-religiösen Extremismus, andererseits durch umfassende vorbeugende De-Radikalisierungs- und Integrationsmaßnahmen, aber auch durch Stärkung geistiger Resilienz der Bevölkerung im Wege der Umsetzung des in der österreichischen Verfassung verankerten Prinzips geistiger Landesverteidigung. Zur wirksamen Abwehr der Terrorgefahr bedürfe es somit eines umfassenden gesamtstaatlich getragenen sicherheitspolitischen Ansatzes. Um der stets veränderlichen Gestalt, den mannigfaltigen Erscheinungsformen, des Terrorismus Herr werden zu können, sei aber zunächst die unveränderliche Natur dieses Phänomens zu verstehen.

Bruce Hoffman eröffnete seinen Vortrag mit der Anmerkung, dass alle Terroristen einen kleinstmöglichen gemeinsamen Nenner aufweisen. Diese scheinen alle gleichsam in der Zukunft zu leben und die politische Überzeugung zu teilen, dass sie ihre Feinde besiegen, diesen ihren Willen aufzwingen und letztlich die politischen Ziele erreichen werden. Der Terrorismus sei eine der gravierendsten sicherheitspolitischen Bedrohungen der Gegenwart, welche seit 2010 auch in Europa zunehmend Platz greife. Das Verschwinden des Islamischen Staates (IS) halte Bruce Hoffman zumindest auf Sicht nicht zu erwarten. Vielmehr stehe eine Renaissance der al-Qaida bevor. Das Aufkommen neuer bedeutender terroristischer Großgruppen sei dagegen unwahrscheinlich. Neue kleinzellige terroristische Franchiseunternehmen seien dagegen ein neuer Trend. Letzterer werden in Zukunft auch in bislang atypischen Operationsgebieten des Dschihad agieren. Einen wesentlichen aktuellen Trend sah Bruce Hoffman in einer Umwandlung des Terrorismus in eine Familienaktivität. Das konsequente Vorgehen des Islamischen Staates (IS) führte gleichsam zum Entstehen terroristischer „Familienunternehmen“. So zeigte sich beispielsweise ein Ehepaar für den Terroranschlag 2015 im kalifornischen San Bernardino verantwortlich und an den Selbstmordanschlägen auf Kirchen in Surabaya (Indonesien) 2018 waren gar drei Familien beteiligt. Schließlich hob Hoffman hervor, dass mit „End of War on Terror“ und dem schrittweisen Rückzug aus der MENA-Region die USA den Terroristen eine Erholungs- und Umgruppierungsräume eröffneten sowie eine Konsolidierungsmöglichkeit gewährten.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine angeregte von Alexander Dubowy, Forschungsdirektor des Institutes für Sicherheitspolitik (ISP), moderierte Diskussion, die sich nicht zuletzt auf die Notwendigkeit, Möglichkeiten und Grenzen gesamtstaatlicher Ansätze fokussierte.

Die Veranstaltung war eine Kooperation zwischen dem Institut für Sicherheitspolitik (ISP), der Botschaft der USA in der Republik Österreich, dem Europäischen Institut für Terrorismusbekämpfung und Konfliktprävention (EICTP), der Landesverteidigungsakademie Wien sowie der Forschungsgruppe für Polemologie und Rechtsethik der Universität Wien.