Alexander Dubowy, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik (ISP)

 

Am 15. Oktober 2018 sprach Prof. Dr. Hal Brands, Henry A. Kissinger Distinguished Professor of Global Affairs an der School of Advanced International Studies (SAIS) der Johns Hopkins University, auf Einladung vom Institut für Sicherheitspolitik (ISP), der Landesverteidigungsakademie Wien und der Forschungsgruppe für Polemologie und Rechtsethik der Universität Wien über die Zukunft der Weltordnung und die US-amerikanische Außenpolitik unter Donald Trump.

Chef des Stabes der Landesverteidigungsakademie Wien Brigadier Mag. René Segur-Cabanac begrüßte zahlreiche Gäste und wies in seiner Eröffnungsrede auf die Krise des europäischen Sicherheitssystems, besorgniserregende Veränderungen internationaler Ordnung sowie eine zunehmend als unilateral empfundene Politik Donald Trumps hin.

Aus der Sicht von Hal Brands scheinen sich mit der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA die strategischen Konstanten der US-amerikanischen Außenpolitik grundlegend zu verändern. Aus diesem Grund werden die USA von den europäischen Verbündeten nicht mehr als der „freundliche Hegemon“ von einst gesehen, der Westeuropa während des Kalten Krieges schützte sowie letztlich Frieden und Sicherheit für ein vereintes Europa ermöglichte.

Diese Rekalibrierung der globalen Rolle der USA erfolge vor dem Hintergrund nachhaltiger Veränderungen internationaler Ordnung. Als Haupttrends auf globaler Ebene nannte Hal Brands:

  • zunehmenden Verlust geopolitischer, geoökonomischer und kultur-ideologischer Hegemonie durch die USA bzw. den kollektiven Westen,
  • schrittweise Zerbröckelung des liberalen regelbasierten Weltordnungssystems sowie
  • die Rückkehr des Wettbewerbs der Großmächte, allen voran durch den Aufstieg autoritärer Großmächte China und Russland.

Trump sehe das System internationaler Beziehungen als eine geopolitische Ordnung politischer Nullsummenspiele und (von anderen) zu respektierender Grenzen. Die Globalisierung, die auf ökonomischen Interdependenzen im Rahmen multilateraler internationaler Organisationen gründe, bilde nach Meinung von Donald Trump für die USA eines der zentralen Probleme. Nachdem der Prozess der Globalisierung sich aber nicht mehr umkehren lasse, richte sich das Bestreben protektionsaffiner Etatisten, wie Donald Trump, auf den Versuch einer Einhegung, einer Domestizierung, der Globalisierung sowie auf das Ausverhandeln von günstigeren Bedingungen für den Heimatstaat.

In der Beziehung zur EU zeichne sich ein bereits unter George W. Bush eingesetzter Trend zum schrittweisen Rückzug der USA vom europäischen Kontinent ab. Je schneller sich das globale machtpolitische Epizentrum in Richtung Südostasien verschiebe, desto stärker verliere die transatlantische Beziehung an ihrer ursprünglichen Bedeutung, so Brands. Die alte Vorstellung vom atlantischen Westen verliere – auch angesichts des drohenden BREXITs – zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklungen machen eine politische Neubewertung vor allem aber eine strategische Neuorientierung der EU notwendig und die strategische Autonomie der EU letztlich unverzichtbar.

Des Weiteren analysierte Hal Brands die Wahrscheinlichkeit sowie die Konsequenzen eines umfassenden Rückzuges der USA aus ihrem globalen sicherheitspolitischen Engagement und ging schließlich auf die Handlungsmöglichkeiten der EU in der gegenwärtigen Situation ein.

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